
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde bekannt, dass das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte mehr als eine Milliarde Euro verloren haben soll – etwa die Hälfte der gesamten Altersversorgung. Grund waren riskante und verschachtelte Geldanlagen, Hotels, Startups, sogar eine Garnelenfarm.
Kein Einzelfall: Auch bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) drohen hohe Verluste aus US-Immobilieninvestments, das Versorgungswerk der Apotheker in Schleswig-Holstein musste bereits eine dreistellige Millionensumme abschreiben.
Während öffentlich über Reformen in der Rentenversicherung gesprochen wird, ist bei den Versorgungswerken ein gigantisches, aber völlig intransparentes System entstanden. Sie verwalten für die Altersvorsorge unter anderem von Ärzten, Anwälten und Apothekern rund 300 Milliarden Euro.
Recherchen von WELT AM SONNTAG bringen jetzt erstmals Licht ins Dunkel. Die Redaktion hat die Kapitalanlagen analysiert und durchsuchbar gemacht. Dazu führten wir Gespräche mit Insidern, Finanzexperten und Mitgliedern der Versorgungswerke. Das Fazit: Es braucht auch hier dringend Reformen.
Versorgungswerke verwalten Hunderte Milliarden
Mehr als eine Million Ärzte, Rechtsanwälte, Psychotherapeuten oder Apotheker zahlen in Deutschland für ihre Altersvorsorge in die berufsständischen Versorgungswerke ein – in der Regel gesetzlich verpflichtend. Bundesweit gibt es 91 solcher Einrichtungen, organisiert in der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV). Neben gesetzlicher Rentenversicherung und Beamtenversorgung zählen sie zur ersten Säule der Alterssicherung.
Anders als bei der gesetzlichen Rente fließt dieses Geld nicht in ein Umlagesystem, sondern in den Kapitalmarkt. Das Ziel: möglichst hohe Renditen. Lange setzten die Einrichtungen auf sichere Staatsanleihen, bis die Niedrigzinsphase ab 2010 sie zu risikoreicheren Anlagen trieb.
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